Workshop: Hilfe zum Viborg-Hemd

Anfang der 1980er Jahre wurde in der dänischen Stadt Viborg ein erstaunlicher Fund gemacht: Nämlich ein annähernd vollständig erhaltenes Leinenhemd aus dem 11. Jahrhundert.

 

Leinengewebe erhalten sich nur unter ganz bestimmten Bedingungen, weshalb sie im archäologischen Fundmaterial Nordeuropas noch seltener als Wollstoffe sind. Bei der Interpretation des Hemdes helfen uns Schriftquellen des Hochmittelalters. Daher wissen wir, dass man bereits im Mittelalter beispielsweise in Skandinavien zwischen Hemd (skjole) und Tunika (kjertil) unterschied. Unter Hemden verstand man Kleidungsstücke mit langen Ärmeln, die über den Schritt bis etwa zur Hälfte der Oberschenkel gereicht haben und somit etwas kürzer als die über dem Hemd getragene knielange Tunika waren.

 

Obwohl es sich bei dem Fund aus Viborg eher um ein (Unterhemd) handelt, das unter der Oberbekleidung eher selten zu sehen gewesen sein dürfte, ist es doch relativ aufwändig hergestellt worden. Das Oberteil des Hemdes besteht aus zwei Lagen Stoff, die miteinander durch diagonal verlaufende Ziernähte verbunden sind, die sich in einer quadratischen Naht auf Brust und Rücken treffen. Durch die doppelten Lagen entstehen zudem zwei Klappen, die es erlauben, den Halsausschnitt zu schließen oder bei Bedarf zu erweitern. 

 

Da das Schnittmuster des Viborg-Hemdes relativ umständlich ist, bietet das Wallmuseum einen zweiteiligen Kurs an, in dem Rekonstruktionswillige die nötige Hilfestellung zur Selbsthilfe bekommen.

Zeitlich ist es leider nicht möglich, ein komplettes Hemd gemeinsam zu nähen. Aber unsere Kursleiterin gibt in zwei Kursteilen Erläuterungen und Unterstützung bei der Umsetzung der kritischen Phasen. Am ersten Termin geht es um das Maßnehmen und Übertragen des Schnittmusters auf den Stoff sowie den Zuschnitt. Hierfür kann eigener Leinenstoff (mindestens 2 x 1,5 m) mitgebracht werden oder beim Museum im Vorwege bestellt werden.

 

An dem zweiten Kurstermin werden dann die Nähte und konstruktive Details behandelt, so dass die im Kurs behandelten Inhalte bis zum fertigen Hemd selbständig und nach eigener Zeitsetzung umgesetzt werden können.

Da sich am Wochenende niemand stressen möchte, veranstalten wir unseren Workshop in gewohnt gemütlicher Runde bei einer Tasse Kaffee oder Tee. Das Werkeln selbst bietet reichlich Gelgenheit zu einem netten Plausch mit der Kursleiterin und den anderen Teilnehmern. 

 

Aufgrund beschränkter Teilnehmerzahlen bitten wir um eine Voranmeldung.

 

Termine: Teil I: Samstag, 11.02.2023, 14 - 17 Uhr; Teil II: Samstag, 04.03.2023, 14 - 17 Uhr

 

Ort: Seminarraum im Empfangsgebäude des Wallmuseums

 

Kursgebühr: 10,- € / Person (inkl. Grundmaterial und Verpflegung), zzgl. Leinenstoff (bei Bedarf): 60,- €

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